Nils Hadamovsky
fine art
Ich bin in Deutschland geboren. Als ich drei war, beschlossen meine Eltern, um die Welt zu segeln, und so verbrachte ich die nächsten fünf Jahre auf dem Meer. Danach ging ich in Griechenland und später in Deutschland zur Schule, die Oberstufe besuchte ich auf einem Internat in Großbritannien. Anschließend kam ich an die Florence Academy of Art, wo ich gerade mein Studium abgeschlossen habe.

Abschlussarbeit an der Florence Academy of Art · 130 × 80 cm, Öl auf Leinwand, lebensgroß
Der Malprozess
Am Anfang steht für mich die Idee eines bestimmten Gefühls, das das Bild tragen soll. Ich suchte nach einer ernsten Darstellung eines Soldaten, der zugleich melancholisch ist und sein inneres Kind zeigt. Danach brauche ich ein Modell, das genau das verkörpert. Die Modelle sind für mich ein wesentlicher Teil eines gelungenen Bildes.

01Als alles geplant war, begann ich mit einigen Kohleskizzen, um mit einfachen Tonwerten die beste Komposition zu finden. Danach malte ich eine Farbskizze, um Probleme in der Komposition früh zu erkennen.
02Dann zeichnete ich die gesamte Komposition in Lebensgröße. So kann ich Elemente verschieben und genau das Leinwandformat finden, das dem Bild am besten entspricht. In dieser Phase ist es wichtig, flexibel zu bleiben und Linien so lange anzupassen, bis die Komposition stimmt.
03Ich übertrage die Zeichnung mit Umbra natur auf die Leinwand. Danach lege ich Licht und Schatten an und versuche, die Zeichnung so genau wie möglich zu machen.
04Wenn ich zufrieden bin, beginne ich mit der Farbe und halte es einfach: drei Tonwerte für Haut und Kleidung. Ich bedecke die Leinwand so schnell wie möglich, um den Gesamteindruck zu sehen und die Tonwerte im Verhältnis zueinander zu beurteilen. Details lasse ich noch weg und konzentriere mich nur auf die große Wirkung.
05Es ist wichtig, sich langsam an die Details heranzuarbeiten. Schritt für Schritt werde ich genauer und achte auf Farbtemperatur und Textur. In dieser Phase male ich ein Auge auch mal drei Mal oder öfter neu.
06Jetzt versuche ich, das Bild fertigzustellen, und arbeite an feinen Details, etwa daran, die Augenbrauen weicher zu machen. Ich spiele gern mit warmen Schatten und grünen Halbtönen und balanciere kalte und warme Töne aus. Manche Bereiche schiebe ich leicht ins Licht oder in den Schatten und lasiere Partien wie das Schwert zurück, um den Blick zu lenken. Dazu verstärke ich auch den Kontrast im Gesicht.
07Irgendwann kommt immer der Moment, in dem ich merke, dass ich rückwärts arbeite und frühere Fortschritte wieder zunichtemache. Das zu erkennen ist schwer, und noch schwerer ist die Entscheidung, weiterzumachen oder aufzuhören. Wenn ich an diesem Punkt bin, gebe ich mir zwei Tage. In dieser Zeit suche ich nach Verbesserungen, frage mich aber bei jeder Änderung, ob sie das Bild wirklich besser macht oder ob ich mich in Details verliere. Zu viele Details können ein Bild zerstören. Nach zwei Tagen höre ich auf, auch wenn noch mehr ginge. Manchmal komme ich später darauf zurück, meistens aber nicht.



